Lebendige Geschichte: Die Restauration historischer Sitzmöbel
Ein antiker Biedermeier-Sessel, ein geschwungener Fauteuil aus der Epoche Louis Seize oder ein Mid-Century-Klassiker sind mehr als Sitzgelegenheiten – sie sind kunsthandwerkliche Kulturgüter und oft geschätzte Familienerbstücke voller Erinnerungen.
Doch die Zeit hinterlässt Spuren: Gurte leiern aus, die traditionelle Schnürung lockert sich, und alte Füllmaterialien zerfallen zu Staub. Eine unsachgemässe 'Reparatur' mit modernen Schaumstoffen zerstört nicht nur den authentischen Sitzkomfort, sondern mindert auch den Marktwert der Antiquität drastisch. In unserer Polsterei pflegen wir die klassische Handwerkskunst nach den überlieferten Zunftregeln.
1. Der Aufbau einer traditionellen Polsterung im Detail
Eine meisterhafte klassische Polsterung besteht aus bis zu sieben Schichten erlesener Naturmaterialien, die Schritt für Schritt in reiner Handarbeit aufgebaut werden:
- Gurte aus Jute: Auf dem gereinigten und verleimten Holzgestell werden reissfeste Jutegurten straff verflochten und vernagelt.
- Kupferne Taillenfedern: Einzelne Doppelkonusfedern werden auf den Gurten platziert und in exakter Höhe positioniert.
- Die deutsche oder französische Handschnürung: Das Herzstück des Handwerks. Jede Feder wird mit speziellem Hanfgarn im 8-Wege-Verbund verschnürt. Das garantiert perfekte Lastverteilung und unvergleichliche Punktelastizität.
- Federleinwand & Fassonpolsterung: Robuste Jutestoffe decken die Federn ab. Darauf wird Afrik (getrocknete Palmblattfasern) als elastische Grundpolsterung aufgebaut und mit Pikierstichen formstabil modelliert.
- Pikierung & Kantenformung: Die charakteristischen, scharfen Kanten eines Stilmöbels werden durch handgenähte Kantenstiche millimetergenau ausgearbeitet.
- Deckpolsterung aus reinem Rosshaar: Feinstes, gekräuseltes Pferdeschweifhaar sorgt für ein unerreichtes, atmungsaktives und feuchtigkeitsregulierendes Sitzklima.
- Nessel & Bezug: Vor dem finalen Bezugsstoff wird das Polster in weissen Nesselstoff eingeschlagen, um das edle Obermaterial vor Reibung zu schützen.
2. Naturmaterialien schlagen jeden modernen Schaumstoff
Während Polyurethan-Schaumstoffe nach 10 bis 15 Jahren oxidieren, krümeln und ihre Elastizität verlieren, halten Rosshaarpolsterungen bei pfleglicher Behandlung über 50 bis 100 Jahre. Rosshaar ist von Natur aus antibakteriell, nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich klamm anzufühlen, und springt auch nach Jahrzehnten stets in seine Ursprungsform zurück.
3. Werterhalt und Holzrestauration aus einer Hand
Zur vollständigen Restauration gehört auch die sorgfältige Begutachtung des Gestells. Wir leimen gelockerte Zapfenverbindungen mit traditionellem Knochen- oder Hautleim, beseitigen Furnierschäden und frischen historische Schellack-Polituren oder Wachsüberzüge auf.
Vertrauen Sie Ihr Erbstück erfahrenen Meisterhänden an
Jedes historische Möbelstück verlangt Respekt vor seiner Entstehungszeit und höchste Geduld. In unserer Werkstatt in Wetzikon behandeln wir Ihre Antiquitäten mit der Sorgfalt, die sie verdienen. Wir laden Sie herzlich ein, uns bei der Arbeit an historischen Polstern über die Schulter zu schauen.
































