In dieser Mail stand ein Wort, das man zuerst übersetzen musste. Frau B. schrieb im Hochsommer, sie möchte vier Stühle und einen Sessel der Marke Freifrau neu…
Wie alles begann
In dieser Mail stand ein Wort, das man zuerst übersetzen musste. Frau B. schrieb im Hochsommer, sie möchte vier Stühle und einen Sessel der Marke Freifrau neu beziehen lassen, und sie schrieb einen Satz, der uns sofort gefiel: Der «Knautscheffekt» solle bleiben, Stoff oder Leder dürfe nicht glattgezogen werden. Wer ein Designmöbel besitzt, kennt genau dieses Problem: Man kann es reparieren, oder man kann es unwissentlich zerstören, indem man ihm seine Nachlässigkeit nimmt.



Beratung und Vorbereitung
Die Fotos erzählten den Rest. Der Samt in Orange war der Sonne zum Opfer gefallen, an den Lehnflächen ausgebleicht, an den Sitzkanten vom Gebrauch gestaucht. Das Gestell war unversehrt. Die Polsterung dieser Stühle ist eine lose, üppig geschnittene Hülle über einem weichen Träger — eben das macht diese Faltenwürfe, die beim Hinsetzen entstehen und danach langsam zurückfallen. Leder ist schwerer und weniger dehnbar als Samt, und genau hier entscheidet sich, ob der Stuhl hinterher derselbe ist oder ein anderer.



Die Entscheidung
Die Offerte legten wir deshalb zweifach an: einmal mit cognacfarbenem Leder, einmal mit einem Samt in ähnlicher Tonlage, und wir schrieben dazu, was passiert, wenn man die eine oder die andere Wahl trifft. Für das Leder brauchte es eine weiche, dünne Narbenhaut, eine dickere Wattierung über dem Träger und eine Nahtführung, die Spiel lässt, statt es zu nehmen. Wir machten einen Stuhl als Muster und schickten ihn vorab: Die Kante fiel in Falten, wie sie es sollte, und der Cognac-Farbton lag warm im Licht statt kühl und glatt. Das war die Entscheidung.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Dann kam die Serie. Über vier Wochen arbeiteten wir die fünf Stücke, einzeln abgeholt und einzeln zurückgebracht, weil die Familie die Stühle zum Essen brauchte. Die alten Schalen dienten als Schnitt; wir ersetzten ausgeleierte Vlieslagen, nähten neue Hüllen und spannten sie bewusst eine Nummer grosszügiger, als man es bei einem straffen Bezug tun würde. Bei der Rückgabe setzte sich Herr B. auf den Sessel, lehnte sich zurück und sagte: «Genau so, wie er gekauft wurde.» Mit allen Falten, die dazugehören.

Was Sie daraus mitnehmen können
Antike und liebgewonnene Möbel verdienen eine Restauration, die Substanz erhält. Wir arbeiten mit Rosshaar, Jute und Naturmaterialien und dokumentieren den Zustand vor der Arbeit. So bleibt der Charakter des Stückes erhalten und der Sitzkomfort wird zeitgemäss.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Möbelrestauration bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















