Manche Anfragen verraten, dass sich jemand lange damit beschäftigt hat. Martin B.
Wie alles begann
Manche Anfragen verraten, dass sich jemand lange damit beschäftigt hat. Martin B. schrieb im April in wohlstrukturierten Stichworten: Möbeltyp Sessel, Zustand Rahmen und Holzbeine vorhanden, gewünschtes Ergebnis kompletter Bezug inklusive Rückenkissen, Termin flexibel. Dazu vier Fragen, sauber nummeriert: ob sich dieser Sessel überhaupt neu beziehen lasse, welcher Stoff dafür sinnvoll wäre, aus welchen Arbeitsschritten sich das zusammensetze und wie lange die Ausführung dauere. So präzise, dass man merkte: Hier geht es nicht um ein Möbelstück, sondern um eine Entscheidung.


Beratung und Vorbereitung
Wir antworteten offen, wie wir es immer tun. Dreizehn Stunden Handarbeit, vier Meter Stoff, zwei Wochen Dauer, sobald der Stoff an Lager ist – und der Hinweis, dass alle unsere Möbelstoffe geprüft sind, von 35 000 bis weit über 100 000 Scheuertouren. Die Antwort kam zwei Wochen später, ebenso höflich und ebenso offen: Der neue Sessel von der Stange sei für die Familie eine naheliegende Alternative. Er betrachte das Angebot als Option und melde sich.


Die Entscheidung
Das ist eine Antwort, die wir oft hören, und eine, die uns wichtig nimmt. Denn ein Sessel ist eben nicht nur ein Sessel, wenn man in ihm sitzt. Der betreffende stand seit Ende der Siebzigerjahre in derselben Ecke, Kirschbaumbeine, leicht ausladende Armlehnen, ein Lehnkissen, das sein Besitzer selbst mit Flocken nachgefüllt hatte. Der Bezug war ein feines Rautengeflecht in Champagner, an den Armlehnen glänzend gesessen, an den Nähten müde. Ein Neukauf hätte ein anderes Sitzgefühl bedeutet, ein anderes Mass, eine andere Höhe der Lehne.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Im September rief Herr B. wieder an. Der Umzug sei vorbei, die Ecke sei noch da, und er habe einen Stoff gefunden, den er sich für diese Ecke wünsche. Wir schickten drei Muster, er entschied sich für ein dichtes Web in einem Grauton, der das Rautenmuster des alten Stoffes aufnahm, ohne es zu kopieren. Die alten Bezüge dienten als Schnitt, das Lehnkissen bekam neue Füllung und einen sauberen Stepp, die Kirschbaumbeine wurden abgeschliffen und geölt. Beim Abholen setzte sich Herr B. zuerst hin, blätterte eine Viertelstunde in der Zeitung, die er dabei hatte, und sagte zum Schluss: Das war jetzt aber keine Option mehr, oder?

Was Sie daraus mitnehmen können
Ein Möbel nach Mass beginnt mit einem Gespräch über Nutzung und Alltag. Wer sitzt wo, wie oft, wie lange? Aus diesen Antworten entstehen Härtegrad, Form und Bezug. Das Ergebnis ist ein Stück, das zu Ihrem Raum passt und nicht umgekehrt.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Massanfertigung bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















