Barbara stellte die entscheidende Frage gleich selbst, bevor wir sie stellen konnten.
Wie alles begann
Barbara stellte die entscheidende Frage gleich selbst, bevor wir sie stellen konnten. Die zwei Holzstühle seien über fünfzig Jahre alt, vor fünfundzwanzig Jahren habe man sie schon einmal neu beziehen lassen. Sie seien immer noch bequem und stabil – «könnten wir uns vorstellen, dass sich der Aufwand ein zweites Mal lohnt». Dazu vier Fotos, schief aufgenommen im Gang neben dem Schirmständer, und eine Bitte um Einschätzung.


Beratung und Vorbereitung
So eine Anfrage ist ein Geschenk. Keine Wunschfarbe, kein Designermarathon, nur die nüchterne Frage nach dem Nutzen. Wir antworteten mit einer Gegenfrage: Was sei damals gemacht worden? Ihre Antwort, eine halbe Stunde später am Telefon, enthielt die Diagnose bereits. Man habe den alten Bezug abgetrennt und neuen Stoff darüber gespannt. Der Unterbau sei unberührt geblieben.


Die Entscheidung
Als die Stühle bei uns standen, sah man es. Unter dem cognacfarbenen Leder lag die Polsterung von 1975, zusammengepresst zu einer glatten, harten Scheibe, und darunter eine Bespannung, die bei Belastung sichtbar nachgab. Die Sitzflächen hatten Mulden, in denen zwei Generationen Platz genommen hatten. Das Gestell dagegen war ein Muster an Gesundheit: heller Kernholzrahmen, die typischen X-Verstrebungen unter dem Sitz, die Ecken sauber, die Verbindungen fest. Nur die alte Schellackfläche war stellenweise weisslich angelaufen.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Wir bauten also dort auf, wo man damals den kurzen Weg gegangen war. Neue Gurte, stramm gesetzt und doppelt genagelt. Eine Polsterung aus Kaltschaum mit einer Lage Rosshaar darüber, damit die Fläche nicht nachfedert, sondern nachgibt. Beim Leder wählte Barbara bewusst den Ton des Vorgängers – ein warmes Cognac, leicht pigmentiert, damit es sich den beiden hellen Holzrahmen unterordnet statt sie zu erschlagen. Die Rückseite des Lehnenpolsters erhielt einen feinen Baumwollstoff statt Leder, weil dort niemand hinfasst.
Rückgabe und Fazit
Der Schreiner nebenan nahm sich die Flächen an, ölte neu, und die Füess bekamen Filz.
Nachklang
Ende März fuhren die Stühle zurück. Barbara stellte sie in den Essbereich, setzte sich, stand wieder auf und sagte den Satz, für den wir solche Arbeiten machen: Sie sitze zum ersten Mal richtig. Die Fotos vom Schirmständer im Hintergrund hat sie uns gleich selbst geschickt.

Was Sie daraus mitnehmen können
Bei einer Möbelrestauration lohnt es sich, nichts vorschnell wegzuwerfen: Schnitzereien, Gestelle und originale Federkonstruktionen sind oft wertvoller als der Bezug. Wir beraten Sie, was erhalten und was erneuert werden sollte.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Polster restaurieren bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















