Es war das Foto mit dem hochgeklappten Sitzkissen, das alles sagte. Andreas P. hatte es aufgenommen, und man sah den weissen Stahlwellenfedersatz, das braune…
Wie alles begann
Es war das Foto mit dem hochgeklappten Sitzkissen, das alles sagte. Andreas P. hatte es aufgenommen, und man sah den weissen Stahlwellenfedersatz, das braune Jutegewebe darunter – und ein Loch, gross genug, dass eine Hand hindurchpasst. «Insbesondere die Sitzfläche ist nicht mehr intakt», schrieb er dazu, sehr sachlich, mit einer Bitte um eine erste Einschätzung. Dann fragte er noch, ob wir solche Arbeiten überhaupt machen.
Beratung und Vorbereitung
Wir machen sie – und bei diesem Sessel drehen wir die Frage lieber um: ob es sich lohnt, ihn nicht zu machen. Es war ein Clubsessel mit tiefem Rahmen aus dunklem Holz, die Armlehnen mit einem Leder, das über Jahrzehnte so trocken geworden war, dass es in einem feinen Netz aus Rissen stand. Die Nähte hielten noch, aber das Material hatte seine Spannkraft verloren. Er kam aus dem Arbeitszimmer seines Grossvaters, zusammen mit einem Teppich und einer Stehlampe, und er stand dort immer noch an derselben Stelle, nur dass niemand mehr auf ihm sass, weil man beim Hinsetzen das Gestell spürte.
Die Entscheidung
Wir holten ihn im März ab und öffneten ihn von unten. Der Schaum war zu Krümeln zerfallen, das Jutegewebe an zwei Stellen durchgescheuert, eine Feder hatte ihren Halt verloren. Also: neue Gurte, neuer Federsatz, alles mit dem Rahmen vernäht, wie es früher gemacht wurde. Darüber kam eine Schicht Rosshaargemisch, die den Sitz trägt, und darauf ein Kissen aus Kaltschaum mit Watteabdeckung, dessen Bezug wir nach dem alten Schnitt anfertigten.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Das Leder war die heikle Frage. Wir zeigten ihm zwei Wege: das alte erhalten, wo es geht, mit Pflege und Reparatur der Risse – billiger, aber man sieht es nach einem Jahr noch. Oder ein pflanzlich gegerbtes Rindleder in einem Braunton, der dem ausgebleichten Original nahekommt. Er wählte das neue Leder und bat uns, die Holzteile nur zu reinigen und zu wachsen, nicht zu beizen. Zwei Abende lang haben wir die Ziernaht gesetzt, in einem Abstand, der dem alten Muster folgt, damit der Sessel nicht aussieht wie neu gekauft.
Rückgabe und Fazit
Als er ihn abholte, stellte Andreas P. ihn zuerst in die Werkstattmitte, betrachtete ihn von der Seite und liess sich dann mit Schwung fallen. Der Sessel gab einmal nach und hielt. Zu Hause kam er an dieselbe Ecke neben die Stehlampe, und seine Frau sagte, dass jetzt wieder gelesen werde.

Was Sie daraus mitnehmen können
Antike und liebgewonnene Möbel verdienen eine Restauration, die Substanz erhält. Wir arbeiten mit Rosshaar, Jute und Naturmaterialien und dokumentieren den Zustand vor der Arbeit. So bleibt der Charakter des Stückes erhalten und der Sitzkomfort wird zeitgemäss.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Möbelrestauration bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















