Zwei Sätze, kurz nacheinander getippt, mehr brauchte es nicht. «Es ist nur 1 Stuhl», schrieb Alfred B.
Wie alles begann
Zwei Sätze, kurz nacheinander getippt, mehr brauchte es nicht. «Es ist nur 1 Stuhl», schrieb Alfred B. Mitte Mai, und drei Wochen später: «Bitte holen Sie den Stuhl ab zur Reparatur.» Beides vom Handy, beide Nachrichten mit demselben Absender, dazwischen ein Foto, auf dem man sofort verstand, warum er so knapp schrieb.

Beratung und Vorbereitung
Zu sehen war ein Stuhl mit Sitzfläche aus Schilfrohrgeflecht, Chromstahlbeine, schwarz lackierter Holzrahmen – ein Entwurf aus den Sechzigern, von dem die Eheleute einst sechs Stück gekauft hatten. Fünf waren in Ordnung. Beim sechsten hatte sich das Geflecht mittig geöffnet, einige Halme waren gebrochen, das Loch zog sich wie ein geöffneter Mund über die Sitzfläche. Wer einmal darauf sass, spürte die scharfen Enden. Dass es nur dieser eine Stuhl war, betonte der Herr ausdrücklich; offenbar hatte man sich daheim nicht einigen können, wie viele Stühle man «auch noch» hätte machen können.
Die Entscheidung
In der Werkstatt wurde das alte Geflecht aus der Nut genommen, die Nut gereinigt und der Rahmen nachlackiert. Neues Schilfrohr kam gewässert ins Spiel: Nur feucht lässt es sich spannen, trocknet es an, sitzt es straff wie ein Trommelfell. Die Ränder wurden mit einer feinen Kederliste in die Nut gedrückt, von Hand, Millimeter für Millimeter. Am andern Tag lag der Stuhl noch eine Nacht im warmen Atelier, damit das Geflecht gleichmässig nachspannte.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Bei der Rücklieferung fiel dann der Blick auf das helle Mikrofaser-Sofa im Wohnzimmer: drei, vier kleine, runde Löcher, der Rand gelblich verfärbt, genau dort, wo man abends die Füsse hinlegt. Kerzenlicht, erzählte die Hausherrin, an einem Abend ohne Strom. Solche Schäden sind klein und trotzdem unschön. Wir schnitten die verbrannten Fasern zurück, setzten einen Träger ein, arbeiteten mit Nadel und Flies neu auf und passten die Farbe der Stelle an. Am Ende sass der eine Stuhl wieder am Tisch, und das Sofa hatte seine Löcher nur noch in den alten Fotos.





Was Sie daraus mitnehmen können
Eine gute Restauration ist kein Neubau. Sie macht ein Möbelstück wieder benutzbar und lässt trotzdem das Alter sichtbar. Wir besprechen vor Arbeitsbeginn, wie weit die Aufarbeitung gehen soll.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Polster restaurieren bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















