Ein Daybed von Rob Parry, Anfang der sechziger Jahre für Gelderland entworfen, ist eigentlich für die Ewigkeit gebaut – nur der Schaumstoff nicht.
Wie alles begann
Ein Daybed von Rob Parry, Anfang der sechziger Jahre für Gelderland entworfen, ist eigentlich für die Ewigkeit gebaut – nur der Schaumstoff nicht. Herr A. aus Eichiwil schrieb uns Mitte Oktober und wollte den Neubezug seines Lotus by Gelderland, jenes Daybeds mit der braunen Handlehne, von uns eingeschätzt wissen. Er schickte einen Link auf ein Verkaufsobjekt, damit wir wüssten, um welches Stück es geht, und vier Fotos aus seinem eigenen Wohnzimmer, Fischgrätenparkett, weisse Wand, die Bank quer gestellt.


Beratung und Vorbereitung
Dann kam die Liste. Das Stück habe noch die alten Nosagfedern, und der Schaumstoff sei so alt – wohl 60er Jahre –, dass er völlig zerfalle. An den Nosagfedern hänge er nicht; er wünsche ein neues, langlebiges System, bequem und solide. Also komplette Neupolsterung von Sitzbank, ungefähr 70 × 190 × 10, und Rückenlehne, 30 × 190 × 10. Und beim Neubezug sei ihm wichtig, dass es ohne Bödeli und ohne Seitenstücke gemacht werde, in einem Guss, einfach runtergezogen. Zur Form schrieb er, er finde eine bestimmte Lösung am schönsten – hier endete die Mail mitten im Satz, die Fortsetzung kam nie.


Die Entscheidung
Wir fragten nicht nach. Wir kannten die Bauweise, solche Daybeds haben wir schon mehrmals gemacht. Wir schrieben zurück, dass wir das machen – mit HR-Schaumstoffen. Und eine Warnung, die uns wichtig ist: Bitte einen starken Stoff kaufen, keine elastischen oder bielastischen Gewebe. Wer einen straff durchgezogenen Bezug ohne Seitenteile will, bekommt mit dehnbarem Gewebe in sechs Monaten Falten.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
In der Werkstatt nahmen wir die Bank auseinander, zogen die alten Nosagfedern heraus und setzten einen neuen Stahlunterbau mit elastischen Gurten, darunter eine Lage Schaum als Schutz. Die Sitzplatte bekam einen hochelastischen HR-Kern mit aufkaschiertem Vlies, die Rückenlehne eine etwas festere Platte, damit man beim Lesen nicht durchhängt. Die braunen Holzlehnen schliffen wir behutsam und ölteten sie neu.
Rückgabe und Fazit
Den Stoff hatte Herr A. selbst mitgebracht, genau nach unserer Vorgabe: ein schweres Gewebe mit feiner Struktur, überhaupt nicht dehnbar. Er ging über die Kanten bis unter die Grundplatte durch – ein einziger Zuschnitt, keine Zierleiste, kein Blendenstück. Herr A. kam mit dem Anhänger zur Abholung. Beim Hinaustragen sagte er, jetzt könne die Bank noch einmal sechzig Jahre werden.

Was Sie daraus mitnehmen können
Antike und liebgewonnene Möbel verdienen eine Restauration, die Substanz erhält. Wir arbeiten mit Rosshaar, Jute und Naturmaterialien und dokumentieren den Zustand vor der Arbeit. So bleibt der Charakter des Stückes erhalten und der Sitzkomfort wird zeitgemäss.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Möbelrestauration bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















