«Schöne guete Obe» – so fing die Mail an, und man merkte ihr an, dass sie nicht aus einem Büro kam, sondern abends auf dem Sofa geschrieben wurde.
Wie alles begann
«Schöne guete Obe» – so fing die Mail an, und man merkte ihr an, dass sie nicht aus einem Büro kam, sondern abends auf dem Sofa geschrieben wurde. Verena S. hatte uns einen Dreisitzer und einen Ohrensessel aus den Sechzigern geschickt, beide in einem samtähnlichen Grün, und fragte nach einer Grobofferte. Zwei Fotos hatte sie angehängt, mit der Kamera eines Telefons, das nicht für solche Aufnahmen gebaut ist: Auf dem einen lag eine Messinglampe quer über dem Sitz, als hätte das Möbel auch das schon mitgemacht.
Beratung und Vorbereitung
Nach einer Woche kam eine zweite Mail, diesmal mit Ausrufezeichen und hoher Priorität: Ob sie denn mit einer Offerte rechnen dürfe. Wir riefen anstatt zu schreiben, und es stellte sich heraus, dass die Stücke aus dem Zimmer ihrer Eltern stammten. Die Mutter war in eine kleinere Wohnung gezogen, das Sofa hatte den Umzug in die erste Etage überstanden, und niemand wollte es wegwerfen. Der Stoff war an den Sitzflächen kahl gescheuert, die Polster hatten jede Form verloren, und beim Sessel lösten sich die Messingnägel an der Armlehne.
Die Entscheidung
Wir holten beide Stücke im Januar ab. Das Gestell war gut, das war die Hauptsache: Leisten fest, Verbindungen sauber, nur die Zarge am Sofa hatte Spiel bekommen und wurde von uns geleimt und mit Winkeln verstärkt. Bei den Polstern entschieden wir uns gegen ein einfaches Austauschen der Schaumblöcke. Wir legten die Sitzfläche neu auf mit einem tragenden Kern und einer weichen Auflage darüber, dazu Vlies als Trennschicht – so entsteht dieser alte, etwas tiefe Sitz, den man heute kaum noch hinbekommt. Die Kissen bekamen neue Bezüge mit Keder, die Knöpfe liessen wir mit dem neuen Stoff fassen, und die Nägel am Ohrensessel setzten wir einzeln wieder.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Sie schickte Fotos von drei Stoffen, die sie sich vorgestellt hatte, und wir legten ein viertes dazu: ein schwerer Baumwollsamt in einem Grün mit einem Stich Blau, weniger grell als das alte, aber mit derselben Leuchtkraft. Sie entschied sich noch am Telefon dafür.
Rückgabe und Fazit
Ende Februar stand das Sofa wieder im Wohnzimmer ihrer Mutter. Der Vater sass zuerst drauf, mit beiden Händen an den Armlehnen, und sagte: «Jetzt kann ich wieder sitzen, ohne dass es weh tut.» Der Ohrensessel kam an dieselbe Ecke, und die Messinglampe bekam einen neuen Fuss.

Was Sie daraus mitnehmen können
Eine gute Restauration ist kein Neubau. Sie macht ein Möbelstück wieder benutzbar und lässt trotzdem das Alter sichtbar. Wir besprechen vor Arbeitsbeginn, wie weit die Aufarbeitung gehen soll.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Polster restaurieren bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















