Herr C. schrieb im September aus Platijas, einem Weiler oben im Tal, und er war so direkt, wie es nur Leute sind, die schon einmal etwas unnütz haben reparieren lassen.
Wie alles begann
Herr C. schrieb im September aus Platijas, einem Weiler oben im Tal, und er war so direkt, wie es nur Leute sind, die schon einmal etwas unnütz haben reparieren lassen. Er habe uns ein WhatsApp geschickt, sagte er, mit den Fotos. Es gehe um eine Lederpolstergruppe im englischen Stil, neu beziehen, ohne neue Aufpolsterung. Und er bitte um eine ehrliche Einschätzung, «damit ich entscheiden kann, ob es sich überhaupt lohnen würde».
Beratung und Vorbereitung
Diese Frage respektieren wir. Ein Polstermöbel ist kein Sentiment, das man nebenbei entscheidet. Auf den WhatsApp-Bildern stand ein Dreisitzer mit Sessel und passendem Hocker, tief braunes Leder, kapitoniert, die Armrollen ausgeleiert, an den Sitzkanten das Gewebe sichtbar, an den Knöpfen der Rand hell gerieben. Ein Chesterfield, wie man es sich in einem Haus mit Steinmauer und Holzofen vorstellt. Die Familie habe die Gruppe von den Grosseltern übernommen, schrieb Herr C., das Leder sei noch gut, bloss die Oberfläche sei müde. Er wolle den Charakter nicht verlieren, deshalb ausdrücklich keine neue Aufpolsterung.
Die Entscheidung
Wir schrieben: Machbar, in echtem Rindsleder und ohne neue Aufpolsterung. Wir versuchten ihn telefonisch zu erreichen, er war im Stall, dann auf der Baustelle. Schliesslich meldete er sich selbst: Danke für die Rückmeldung, er melde sich, sobald er mehr Zeit habe.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Er meldete sich im Dezember. Der Winter war eingekehrt, und offenbar hatte die Familie so lange am Ofen auf den alten Ledern gesessen, bis die Entscheidung von selbst fiel.
Rückgabe und Fazit
Wir holten die Gruppe mit dem Transporter ab, drei Mann, eineinhalb Stunden für die Fahrt ins Tal. Im Workshop lösten wir die Knöpfung, Zug um Zug, und nummerierten die Löcher mit Kreide, damit die Rauten später wieder aufgehen, wo sie sollen. Die alten Nähte dienten als Schablone. Wir wählten ein 2.2 mm starkes Rindleder in Cognacbraun, leicht pigmentiert, das nachdunkeln darf, und bezogen in einem Zug: erst die Korpusse, dann die Armrollen, dann die Rückenkanten, die wir mit Ziernägeln fassten. Zum Schluss band unsere Mitarbeiterin 96 Knöpfe von Hand.
Nachklang
Als wir lieferten, war der Ofen an, und die Katze lag bereits auf dem Dreisitzer, als gehöre ihr das Möbel seit je. Herr C. sagte zuerst lange nichts, strich über die Rauten und meinte dann, es lohne sich also doch.


Was Sie daraus mitnehmen können
Eine gute Restauration ist kein Neubau. Sie macht ein Möbelstück wieder benutzbar und lässt trotzdem das Alter sichtbar. Wir besprechen vor Arbeitsbeginn, wie weit die Aufarbeitung gehen soll.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Polster restaurieren bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















