Anfang Dezember kam eine Mail, so präzise formuliert, wie man es sich als Polsterer nur wünschen kann: Foto des Sofas, technisches Datenblatt des Herstellers,…
Wie alles begann
Anfang Dezember kam eine Mail, so präzise formuliert, wie man es sich als Polsterer nur wünschen kann: Foto des Sofas, technisches Datenblatt des Herstellers, dazu ein Satz, der alles erklärte – «die Katze meiner Untermieterin hat den Bezug zerkratzt». Frau R. ist Eigentümerin der Wohnung, und weil sie selbst nicht in derselben Stadt wohnt, lief die Sache über Screenshots und eine PDF. Wir antworteten mit der ehrlichen Einschätzung, dass ein Kratzer auf einem melierten Stoff nie ein einzelner Kratzer bleibt: Man kann eine Stelle flicken, aber das neue Stück Stoff wird anders glänzen als das alte, das drei Sommer lang Licht gesehen hat.





Beratung und Vorbereitung
Mitte Dezember kamen dann die Fotos – neun Stück, hintereinander im Text, wie es nur jemand macht, der Finderbilder direkt aus dem Mailprogramm verschickt. Und mit ihnen eine zweite Bitte: Ob wir uns auch den Sessel und einen alten Stuhl ansehen könnten. Auf den Bildern war das Ausmass nun deutlich zu sehen. Die Kratzspuren zogen sich über beide Seitenteile und über die vordere Sitzkante, vier bis fünf Zentimeter lang, stellenweise bis in die Schaumstoffoberfläche. Beim Sessel war das Polster am Vorderschenkel durchgelegen, beim antiken Stuhl hing der altrosa Bezug schlaff über die Zarge, die Federung darunter hatte ihre Spannung verloren.




Die Entscheidung
Beim Beratungsbesuch eine Woche später stand dann alles im Raum, buchstäblich. Für das Sofa wählten wir einen dichter gewebten Stoff in einem sehr ähnlichen Graubeige, diesmal mit einem hohen Kunstfaseranteil, damit Katzenkratzer nicht gleich wieder ins Material fahren. Die beschädigten Schaumstoffe wurden dünn abgeformt, die Bezüge über die ganze Schale gezogen, sodass kein Flicken zu sehen ist. Der Sessel bekam neue Kissen mit einer Feder-Ergänzung, der Stuhl wurde Stück für Stück geöffnet: alter Juteschnur-Verband brüchig, Federn durchgerostet. Wir setzten neue Spiralfedern, Polsterwatte aus Rosshaar und Leinwand darüber, wie es sich für ein Stück von vor 1920 gehört. Der Bezug wurde ein schlichter Wollmix in einem warmen Sanderton – damit Sessel und Stuhl künftig nicht mehr nach zwei verschiedenen Jahrzehnten aussehen.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Abgeholt wurde vor Weihnachten. Frau R. legte das Sofakissen zurück, strich mit der Handfläche über die Kante und sagte den Satz, auf den es bei solcher Arbeit ankommt: «Man sieht nicht, wo es kaputt war.» Die Katze der Untermieterin, so erzählte sie später beim Nachtelefonieren, habe inzwischen einen Kratzbaum.

Was Sie daraus mitnehmen können
Ein Neubezug lohnt sich, wenn Gestell und Federung noch gut sind. Das lässt sich auf Fotos meist gut beurteilen. Wir prüfen vorab, ob die Polsterung ebenfalls aufgefrischt werden sollte, damit der neue Stoff nicht über müder Füllung liegt.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Neubezug bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















