«Der Fabrikant konnte nicht ausfindig gemacht werden, deshalb kontaktiere ich Sie.» Diesen Satz hören wir oft, und fast immer steckt ein Möbel dahinter, das…
Wie alles begann
«Der Fabrikant konnte nicht ausfindig gemacht werden, deshalb kontaktiere ich Sie.» Diesen Satz hören wir oft, und fast immer steckt ein Möbel dahinter, das jemand behalten will. Marcel H. schrieb ihn im Dezember zu vier Fotos eines cremefarbenen Ledersessels: Rückenlehne mit Rautenheftung, Holzschalen an den Armlehnen, und eine Mechanik, die ihren Dienst verweigerte. Die Lehne liess sich nach hinten drücken, hielt aber auf keiner Position mehr. Er vermutete, dass beide Hydraulikpumpen defekt seien – das Fachwissen eines Mannes, der vorher schon einmal unter den Sessel geschaut hatte. Und er schob hinterher, die Reparatur dränge nicht.


Beratung und Vorbereitung
Wir schrieben ihm eine erste Zahl. Er antwortete ein paar Wochen später höflich, dass er den Sessel lieber so stehen lasse, der Eingriff sei ihm zu gross. Das ist eine Antwort, mit der man leben muss, und meistens ist sie das Ende der Geschichte. Im Februar rief er trotzdem wieder an. Er sei in der Werkstatt vorbeigefahren, sagte er, und habe gesehen, wie an einem ähnlichen Sessel die Pumpen gewechselt wurden. Ob man nicht wenigstens die Mechanik richten und das Leder behalten könne.


Die Entscheidung
Doch, das kann man. Wir holten den Sessel in Langrickenbach ab. In der Halle zeigten die Pumpen genau das, was sie immer zeigen: Dichtungen porös, Kolbenstangen leicht angelaufen, die Bohrungen im Gestell ausgescheuert. Wir fertigten neue Halterungen, setzten zwei Gasdruckpumpen ein, deren Kennlinie der alten entspricht, und ölteten die Lager. Danach hielt die Lehne wieder in jeder Raste – sanft, ohne das übliche Rucken beim Lösen.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Das Leder behielten wir, wie er wollte. Wir reinigten es gründlich, glichen die feinen Risse auf der Sitzfläche mit Füllpaste aus und färbten in mehreren dünnen Schichten nach, bis die Cremefarbe wieder gleichmässig war und die Oberfläche matt schimmerte wie früher. Am Schluss kam der Geruch dazu, den man nicht kopieren kann.
Rückgabe und Fazit
Bei der Rückgabe setzte er sich hin, zog die Lehne nach hinten, stoppte in der Mitte und liess die Hand los. Sie blieb stehen. «1993 habe ich diesen Sessel das erste Mal probegesessen», sagte er. «Er hat sich nie so angefühlt wie jetzt.»

Was Sie daraus mitnehmen können
Ob Riss, Fleck oder verfärbte Sitzfläche: Leder lässt sich oft punktuell aufarbeiten, ohne dass das ganze Möbel neu bezogen werden muss. Farbnummern und Hersteller helfen uns beim Abgleich, ein Musterstück bei der Farbwahl.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Lederreparatur bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















