Ein Antiksofa verrät sich am Rahmen, nicht am Stoff. Die Anfrage, die uns an einem Freitagmittag erreichte, bestand aus einem Satz und zwei Bildern: «Ich hätte…
Wie alles begann
Ein Antiksofa verrät sich am Rahmen, nicht am Stoff. Die Anfrage, die uns an einem Freitagmittag erreichte, bestand aus einem Satz und zwei Bildern: «Ich hätte gerne eine Einschätzung zur neuen Polsterung und zum neuen Bezug eines solchen antiken Sofas.» Höflich, knapp, ohne Geschichte. Wir fragten nach einem dritten Foto – Schauseite des Unterbaus, Maserung, die Art, wie die Beine ansetzen – und bekamen eines aus der Kinderzimmerperspektive, dazu zwei Sätze mehr. Das Sofa stamme von der Grossmutter, es sei «fertig», man traue sich nicht mehr, sich daraufzusetzen, und es sei das einzige Möbelstück aus dem alten Haus, das die drei Umzüge überlebt habe.

Beratung und Vorbereitung
Im Keller in Eichliwil roch es nach Staub und trockenem Haar. Der Buchenrahmen war solide, die Schnitzerei an den Seiten eine feine Arbeit aus der Zeit, in der man Furnier noch legte statt klebte. Unter dem Sitz war die Jutebespannung an zwei Stellen gerissen, die Spiralfedern hatten sich gesetzt, und das Rosshaar war zu einer Filzplatte zusammengebrochen, die sich nicht mehr aufrichten liess. Alles, was man nicht sieht, war am Ende – genau der Fall, für den unsere Arbeit erfunden wurde.

Die Entscheidung
Die Einschätzung, die wir nach einer Woche schickten, liess den Umfang bewusst offen, weil bei Antikmöbeln erst beim Öffnen sichtbar wird, was der Vorbesitzer repariert hat und was nur abgedeckt. Wir legten die Stoffkarten auf den Werktisch, und die Kundin entschied sich gegen Samt und für einen Wollstoff mit feinen Längsstreifen in gedecktem Grün und Elfenbein, ein Streifenmuster, wie es in der Stube ihrer Grossmutter gelegen hätte. Die Polsterung bauten wir klassisch: Jute, Handfederung, Rosshaar in zwei Lagen, Nessel als Zwischendecke, der Bezug mit Ziernägeln an den Leisten.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Der Gestellbauer in uns bekam auch noch etwas zu tun: Zwei Zapfen an den Vorderbeinen hatten Spiel; wir nahmen sie behutsam ab, leimten nach und liessen eine Nacht vergehen. Am Abholtag stand das Sofa wieder im Esszimmer, und die Tochter der Kundin sass bereits darauf, ohne zu fragen. Genau so stellt man sich das vor.

Was Sie daraus mitnehmen können
Antike und liebgewonnene Möbel verdienen eine Restauration, die Substanz erhält. Wir arbeiten mit Rosshaar, Jute und Naturmaterialien und dokumentieren den Zustand vor der Arbeit. So bleibt der Charakter des Stückes erhalten und der Sitzkomfort wird zeitgemäss.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Polster restaurieren bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















