Auf dem Foto standen zwei blaue Pfeile quer über der Sitzfläche, daneben in Kugelschreiber «47 cm» und «45 cm».
Wie alles begann
Auf dem Foto standen zwei blaue Pfeile quer über der Sitzfläche, daneben in Kugelschreiber «47 cm» und «45 cm». Elisabeth H. hatte die Masse direkt auf das Bild geschrieben, weil sie befürchtete, dass wir sonst raten müssten. Acht Stühle seien das, schrieb sie, hohe Lehnstühle mit geschwungenen Armlehnen, ein Erbstück aus dem Zimmer ihrer Mutter. Der helle Stoff sei «in Ordnung, aber müde», das Holz dagegen zu dunkel und gelblich. Ihr Wunsch: abschleifen, lasieren in einem leichten Braun-Grau, seidenmatt, und die Sitze wieder dicker polstern. Den Stoff wollte sie selbst liefern.
Beratung und Vorbereitung
Wir fuhren hin, um die Stühle zu sehen, und das war gut so. Die Rahmen waren nicht gerade: geschwungene Lehnen, profilierte Kanten, geschnitzte Ansätze, dazu eine alte Lackschicht, die stellenweise schon abgeblättert war. Wer so ein Holz mit Farbe decken will, nimmt ihm alles, was diese Stühle ausmacht. Ausserdem sammelt sich Lack auf gerundeten Flächen in den Rillen und wirkt nach einem Jahr fleckig. Wir schlugen den umgekehrten Weg vor: entfärben, dann farbig ölen in Grau-Braun, zum Schluss mit Wachs drüber. So bleibt die Maserung stehen, und der Ton kommt trotzdem, den sie sich wünschte. Sie wollte es zuerst nicht glauben und fragte, ob wir das auf einem Reststück zeigen könnten. Das konnten wir, und am Telefon sagte sie nur: «Genau das habe ich gemeint, nur schöner.»
Die Entscheidung
Weil acht Stühle auf einmal eine Familie beim Essen auf Kisten sitzen lassen, holten wir in zwei Etappen ab. Die Polster wurden abgenommen, der alte Rosshaarfilz entfernt, neue Schaumkerne in zwei Härten aufgebaut und mit Watte abgedeckt, damit die Kanten weich auslaufen. Ihren beigen Stoff hatten wir uns vorher angeschaut – ein fester Baumwollmix, der sich um die geschwungenen Ecken legen liess, ohne Falten zu werfen. Fixiert wurde mit feinen Klammern und wenigen Nägeln, damit sich die Polster jederzeit lösen lassen.
Die Arbeit in unserer Werkstatt
Im Juli standen die acht Stühle wieder in Herrliberg, in einer Reihe auf dem alten Parkett. Elisabeth H. setzte sich auf den ersten, legte die Arme auf die Lehnen und meinte, so habe das Zimmer ihrer Mutter riechen sollen.

Was Sie daraus mitnehmen können
Bei einer Möbelrestauration lohnt es sich, nichts vorschnell wegzuwerfen: Schnitzereien, Gestelle und originale Federkonstruktionen sind oft wertvoller als der Bezug. Wir beraten Sie, was erhalten und was erneuert werden sollte.
Unverbindlich anfragenSo sieht es im Alltag aus
Ein Möbelstück ist erst gut, wenn es genutzt wird. Möbelrestauration bedeutet bei Egora deshalb immer auch, an den Alltag zu denken: wer sitzt wo, wie oft und wie lange. Die folgenden Bilder zeigen das Möbel im Einsatz (Visualisierung).






















